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Bambor siegt nach Handtuchwurf

NRW-Meister gewinnt beim Turnier des Gütersloher Boxclubs den Top-Kampf - 200 Zuschauer sehen 14 Fights

Von Christian Bröder und Wolfgang Wotke (Fotos)

Gütersloh (WB). Eine Runde, drei Minuten. Abwehren und austeilen. Die Fäuste oben halten: Dass Lokalmatador Joschka Bambor (27) auch die Siegerfaust in die Luft recken darf, liegt vor allem daran, dass er Gegner Chris Mvemba präzise mit der Führhand bearbeitet. Dessen Trainer Reinhard Jassmann wirft in der dritten Runde das weiße Handtuch in den Ring und beendet den niveauvollsten von 14 Kämpfen beim Turnierabend des Boxclubs Gütersloh.

Alicia Keys langgezogenes »New Yooork« dröhnt aus den Lautsprecher-Boxen, als die beiden Protagonisten des Top-Kampfes im Schwergewicht (bis 91 kg) in den Ring steigen. Bambor, der 85 Kilo schwere Sozialpädagogik-Student, Ex-Basketballer und NRW-Meister, in der blauen Ecke. Ihm gegenüber der bei 90 taxierten Kilo physisch überlegen wirkende amtierende Hessen-Meister Mvemba (TSV Korbach), der fünf seiner bislang acht Kämpfe gewinnen konnte, in der roten Ecke.
Dann gilt's: »Boxen«, ruft Ringrichter Rudi Hellmann. Bambor tänzelt zunächst abwartend um Mvemba, weicht zurück, duckt sich. Im zweiten Teil der ersten Runde landet er jedoch einige Körpertreffer. »Komm Joschka, den Druck erhöhen«, ruft Trainer und Klubboss Dr. Horst-Peter Strickrodt (45) Mitte der zweiten Runde, an deren Ende der Korbacher bereits auf wackligen Beinen steht. Bambor vernachlässigt zwar die Deckung, landet jedoch immer wieder wirksame Körpertreffer. Knapp anderthalb Minuten in Runde drei sind absolviert, da wird Mvemba angezählt und der Fight vom Handtuchwurf seines Trainers beendet. Bambor gewinnt durch Aufgabe, holt sich seinen 16. Sieg im 19. Kampf.
»Ich hätte nicht damit gerechnet, vorzeitig gegen einen körperlich so überlegenen Gegner zu gewinnen. Ich dachte, es wird schwerer«, erklärt der BCG-Faustkämpfer, den das vierköpfige Wettkampfgericht schließlich zum besten Kämpfer des Turniers erklärt. Als jüngster Sieger wird der elfjährige Daniel Stoll (Telekom Münster) gekürt, beste Techniker ist Magomed Ataev (BSV Herford).
Der Bronzemedaillengewinner der U21-DM siegt in der Klasse bis 64 kg beim Duell der Freunde gegen den Gütersloher Junus Arsenov (18). Das Besondere: Beide Kontrahenten wuchsen in der Republik Dagestan im Nordkaukasus auf, sind als Kinder von Asylbewerbern nach Deutschland gekommen und kennen sich seit Jahren. Einen weiteren Vergleich mit dem BSV Herford kann der 16-jährige Josef Coskunoglu im Duell mit Christian Bloch für sich nach Punkten entscheiden. »Er hat in der dritten Runde alles abgerufen, aus allen Lagen gefeuert und dann noch einmal acht deutliche Treffer erzielt«, so Strickrodt, der gemeinsam mit Detlef Berning (45) und Felix Oberöhrmann (33) die Gütersloher Boxer trainiert. Letzterer ist mit dem Auftreten des eigenen Nachwuchses im Carl-Miele-Berufskolleg nur bedingt zufrieden: Eugen Faut (13) und Ibragim Arsenov (13) verlieren ihre Kämpfe deutlich nach Punkten. Oberröhrmann: »Das war eher unterdurchschnittlich.«
Ähnliches Urteil dürfte für eine Entscheidung des Landesverbandes gelten, durch den der einzige Frauen-Wettkampf des Abends abgesagt werden muss. Viviane Slawik, Deutsche Meisterin im Juniorinnen-Halbweltergewicht (bis 66 kg), sollte ursprünglich gegen Madina Asanova (SV Brackwede) antreten, ist jedoch kurzfristig für einen Lehrgang abberufen worden. Durch krankheitsbedingte Ausfälle und nicht passende Gewichte einzelner Boxer reduziert sich die Gesamtanzahl von 22 geplanten Wettkämpfen auf insgesamt 14. Die haben es jedoch in sich: Knapp 200 Zuschauer erleben im sechs Mal sechs Meter großen Ring einen unterhaltsamen Abend, der nicht zuletzt im Handtuchwurf-Kampf des Joschka Bambor seinen Höhepunkt findet.

Artikel vom 30.11.2011

 
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